Gedanken.Los

… der Versuch, das Gefühlschaos zu ordnen

Archiv für Trauer

Gleichgültiger, aber nicht weniger verletzlich

Ich habe schon eine ganze Weile nicht mehr geschrieben, habe ich grad gesehen.
Der letzte Eintrag ist ja noch, als ich noch traurig war, dass er immer gehen muss. Das hat sich danach etwas geändert und ich habe mich damit mehr oder weniger abgefunden. Zumindest fand ich es nicht mehr so schlimm und war auch nicht mehr so ungeduldig.
Nun ist es so, dass er seit letzten Monat seine eigene Wohnung hat und ich nun schon fünf mal bei ihm geschlafen habe. Unsere erste gemeinsame Nacht war auch seiner erste Nacht in der neuen Wohnung.
Es klappt immer besser neben ihm zu schlafen. In der ersten Nacht musste ich mich noch weit weg legen,aber mittlerweile bin ich sogar schon dicht an seinem Körper angelehnt eingeschlafen. Das einschlafen geht super. Nur das aufwachen, ich werde immer schon sehr früh neben ihm wach. Und kann dann auch nicht mehr richtig einschlafen. Nach drei Versuchen kann ich es dann gänzlich aufgeben, noch mal einschlafen zu können.
Aber es gibt schlimmeres. Zwischendurch, nachdem eine Date-Periode von einem halben Jahr vergangen ist, habe ich noch mal das Thema angesprochen,wie es jetzt mit uns steht. Das war noch vor unserer erstengemeinsamen Nacht.
Zumindest kam erst einmal die gleiche Antwort wie vier Monate vorher. Dass er es nicht genau weiß, und sich erst mal finden muss.
So langsam glaube ich, er wird da nichts mehr finden. Aber na gut.
Ich muss schon zugeben, dass ich etwas sauer war über diese Antwort. Nach sechs Monaten kann man sich ja ruhig mal etwas Neues ausdenken.
Später schrieb er dann noch mal, dass er das mit mir ja alles ganz toll findet, und ich sein Highlight der Woche bin, er bei mir einfach er sein kann und sich total entspannt.
Nicht, dass ich das nicht gerne höre, aber dennoch hat es bei mir etwas ausgelöst.
Leichte Gleichgültigkeit.
Denn ich dachte ja, nun da er bald alleine wohnt, sehen wir uns öfter und können eventuell mal herausfinden, ob es zu mehr taugt, und ich könnte herausfinden, ob ich auch zu mehr Gefühlen instande bin. Aber da hat er mir mit der Aussage einen Strich durch die Rechnung gemacht. Und seitdem bin ich noch weniger ungeduldig.
Ich erwarte nichts mehr. So gut wie nichts mehr.
Seitdem habe ich angefangen, mich ein wenig zurück zu ziehen. Ihn nicht mehr ganz so oft anzuschreiben, oder wenigstens abzuwarten, bis er schreibt. Und vorallem, ich habe aufgehört das Thema auf das nächste Treffen zu lenken. Wenn ich recht überlege, habe ich seitdem eigentlich nie wieder die Initiative ergriffen, was ein Treffen angeht. Hmm..
Vielleicht habe ich das ein oder andere Mal das Gespräch in die Richtung geführt, aber ich habe nie als erstes gefragt, ob ich vorbeikommen kann/soll.
Und an manchen Tagen hatte ich auch das Gefühl, mich seelisch mehr und mehr von ihm abzukapseln. Aber das ist ja auch nur verständlich, wenn er mir nach einem halben Jahr immer noch durch die Blume sagt, dass wir nicht versuchen, uns intensiver kennenzulernen.
Ich meine, ich wüsste ja noch nicht einmal, ob wir wirklich in der Hinsicht zusammen passen würden, und so langsam kommen mir auch die Zweifel, ob ich, wenn er sich dann doch irgendwann gefunden hat, mich dann überhaupt noch in ihn verlieben könnte, oder ob es dann nicht zu spät ist, weil ich einfach schon so lange mit der derzeitigen Situation lebe.
Wie auch immer. Ich wollte eigentlich noch zu einem anderen Punkt kommen.
Bei den letzten beiden Treffen war er irgendwie interessierter was mich und meine Person anging. Als wolle er mehr erfahren, oder mich mehr reden hören, oder einen tieferen Einblick in meine Gedankenwelt erhaschen. Es waren jetzt keine weltbewegenden Themen, aber er war irgendwie viel mehr bei der Sache und hat viel nachgehakt.
Das wirkt leicht verwirrend auf mich, und so als ob er mit einer Doppelmoral predigt. Einerseits möchte er nichts Festes, aber doch versucht immer noch mich näher kennenzulernen. Ich hingegen habe es eigentlich schon fast aufgegeben. Natürlich frage ich noch bei interessanten Themen nach und höflichkeitshalber erkundige ich mich auch nach seinem Tag, aber ich bin mit Sicherheit nicht mehr so erpicht darauf, mehr über seinen Charakter mittels Fragen herauszufinden, wie ich es anfangs war. Jetzt reicht mir das, was ich bisher kennengelernt und erfahren habe und ich genieße mehr die körperliche Nähe.
Dieses wohlig-geborgene Klima welches er beim vorletzten Mal aufbauen konnte, hat er beim letzten Treffen erst einmal zerstört.
Denn ich musste über zehn Minuten, fast 15, warten, bis er mich am Bahnhof abholte – ohne auch nur eine Nachricht zu kriegen, ob er nur zu spät sei, mich vergessen hätte, oder es sich anders überlegt hat (in solch einem Moment hat mein Kopf die schrägsten Fantasien). Er wusste ganz genau wann ich ankomme, und ich war mehr als verletzt, sowohl in dem Moment, als ich da stand, wie bestellt und nicht abgeholt, wie auch ab dem Zeitpunkt, als er dann endlich erschien. Ich sagte jedoch nichts, sondern war einfach nur still. Ziemlich still. Ich antwortete zwar auf seine Fragen, aber viel mehr auch nicht. Ich war einfach nur ruhig und verletzt. Ich konnte dagegen auch irgendwie nicht viel machen, da war ein riesiger Knoten unter meinem Brustkorb, der sich gegen die Knochen drückte und mich keinen Moment vergessen lies, wie er mich da verletzt hatte.
Denn ich hasse Unpünktlichkeit, oder sagen wir es so, ich hasse es, versetzt zu werden.
Wenn ich mich mit einem Freund/einer Freundin irgendwo treffe, und die Person kommt zehn Minuten später ok, eine Nachricht wäre zwar nett, aber ok. Aber wenn ich abgeholt werde, und stehe da etliche Minuten die nicht vergehen wollen, und jede Sekunde hämmert sich in mein Gehirn, dann werde ich nicht nur wütend und sauer, sondern fühle mich auf gut deutsch gesagt einfach beschissen.
Denn ich wurde schon so oft versetzt, wirklich so verdammt oft. Und das auch von den verschiedensten Personen, und ich muss sagen, das macht es nicht besser. Im Gegenteil, ich kann damit nicht besser umgehen, es verletzt mich jedes Mal aufs Neue zutiefst, weil ich anscheinend der Idiot bin, mit dem man es machen kann. Ich habe es wohl nicht anders verdient.
Nun ja, zurück zu dem Abend. Da lag ich dann. In seinem Bett, neben ihm, fertig zum Schlafen, denn auf körperliche Nähe konnte ich in diesem Moment gut verzichten, mir war so gar nicht danach. Der Schmerz war noch zu real. Und der Grund dafür nur wenige Zentimeter von meinem Gesicht entfernt.
Ach ja, der Grund war im übrigen,dass er mal wieder in einer Bar mit einem Freund war, und dieser eben grad erst los ist. Aber das konnte ich ja nicht wissen. Ich dachte ja naiverweise, er wäre zu Hause, keine 3 Minuten mit dem Auto entfernt. Und er las auch all meine Nachrichten bezüglich,dass ich angekommen sei und warte, und ob ich nu wieder zurückfahren soll (wie gesagt, es geht einem da so einiges durch den Kopf). Aber er konnte ja auf keine antworten, oder auch einfach vorher mal schreiben, dass es sich etwas verspäten könnte. Das hätte mir ja schon gereicht. Aber nun gut.
Jetzt lag er neben mir, und schaute mir tief in die Augen. Er hatte schon fünfzehn Minuten vorher gemerkt, dass irgendwas nicht ganz in Ordnung ist, und sich echt süß verhalten. Versucht Witze zu reißen, oder probiert zu stänkern, aber ich ließ mich nicht aus der Reserve locken.
Und als er mir nun so tief in die Augen schaute, hatte ich beinahe Angst, er könne meine Gedanken lesen, denn meine Gefühle schien er mir ja recht gut ablesen zu können.
Er fragte mehrmals, ob alles in Ordnung sei, und was los ist, aber ich vermochte nicht zu antworten. Ich sagte es ist nichts los, aber wusste natürlich, dass er mir das nicht abkaufte. Er fragte noch ein halbes dutzend Mal, und ich musste mich ehrlich zusammen reißen, nicht loszuheulen. Er durchbohrte mich mit seinem festen Blick und in mir war es einfach nur chaotisch. Ich überlegte hin und her, ob ich es ihm sage, aber konnte es ja doch nicht. Ich bin nicht in der Situation, mich darüber aufregen zu können, sagte ich mir. Und irgendwie schämte ich mich auch für meine Gefühle.
Ich war froh,als er dass Licht löschte, und er mir so nicht mehr ansehen würde, dass ich bei jeder Antwort log.
Aber ich schaffte es dann dennoch, über meinen Schatten zu springen.
Am nächsten Morgen war ich auch noch relativ munter, nur irgendwann kam ganz leicht meine Stille wieder zurück. Nicht in der vollen Stärke, wie am Abend zuvor. Aber dennoch ein wenig. Aber vielleicht lag das auch einfach daran, dass ich ihn wieder verlassen musste. Ich hätte mich noch gerne länger von meiner guten Seite gezeigt und vielleicht hätte ich ihm auch verraten, was mich am Vortag so still gemacht hat..
Auf dem Nachhauseweg jedoch, kam die geballte Kraft der Verletzung wieder zurück. Erneut war ich so sehr verletzt, wie am Abend zuvor. Es dauerte noch ein paar Stunden, bis ich alles verarbeitet hatte. Ich glaube, ich brauchte einfach diese Zeit für mich. Wenn er die ganze Zeit vor meiner Nase ist, kann ich mich ja nicht beruhigen. Zumindest nicht, wenn er den Grund nicht weiß und ich alles mit mir alleine ausmache..
Ob ich ihm erzähle, woran es lag, weiß ich immer noch nicht. Das wird sich zeigen.
Einerseits wäre es eventuell hilfreich für ihn zu wissen, wie er sich in solch einer Situation das nächste Mal mir gegenüber verhält, aber andererseits, werden wir ja wahrscheinlich eh nie zusammenkommen, also wozu..
Nichtsdestotrotz muss ich sagen, er hat sich, leider, echt gut geschlagen. Er war die ganze Zeit so geduldig und ruhig mir gegenüber, vielleicht war er auch einfach nur überrascht mich auch mal so kennenzulernen, aber dennoch, er hat sich eigentlich perfekt verhalten.
Und leider, weil ich doch gerade so sehr daran zweifel, dass wir in einer Beziehung zusammenpassen würden. Da passt das irgendwie nicht ganz so in meine Argumentation, dass er sich, für mich persönlich, perfekt verhalten hat.

Eins bleibt

Er ist noch nicht lange weg.
Aber immerhin, habe ich mich schon wieder ganz gut gefangen.
Ich war wirklich richtig traurig darüber, dass er heute gehn muss, und nicht hier bleibt. Vielleicht war ich auch ein wenig enttäuscht…
Denn heute habe ich es nicht ganz verstanden. Ja klar, seine Ex weiß ja nicht, dass er da was mit jemand andern laufend hat, und es wäre seltsam, wenn er früh morgens nicht neben ihr im Bett liegen würde, aber sie hat gerade Urlaub und der Kleine muss morgen nicht in die Kita, was zum einen heißen würde, A. müsste ihn nicht hinbringen, und zum anderen, kann seine Ex aufstehen, wenn der Sohnemann früh morgens am Bett steht, denn sie hat ja frei!
Von daher war ich schon sehr traurig, zum Ende hin, kurz bevor Aufbruchstimmung herrschte, als mir klar wurde, dass er wirklich nicht hier bleiben würde. Dabei hat er morgen nicht mal sooo viel zu tun auf Arbeit, nur ein Zelt aufbauen.. Ach egal.
Fakt ist, ich lag am Ende etwas betrübt im Bett neben ihm. Denn es war heute wirklich, wirklich richtig schön, so richtig schön! Ich weiß auch nicht. Ich habe auch heute gar nicht so lange gebraucht, um mich an ihn zu gewöhnen. Das letzte Treffen ist zwei Wochen her. Aber er hatte heute wieder strahlend gute Laune, und hat es mir so recht einfach gemacht, mich an ihn zu gewöhnen. Es war von Anfang an irgendwie schon schön. Ich kann noch nicht einmal richtig sagen warum. Zum Teil kam es mir echt so vor, als wären wir zusammen.
Wir daten jetzt im übrigen schon 5 Monate! Unglaublich..
Zurück zum Trübsalblasen. Ich war wirklich kurz davor zu weinen. Aber das konnte ich natürlich nicht neben ihm. In meinem Kopf habe ich mich darüber geärgert, dass er nicht bleibt, und die Gründe aufgezählt, und ihn innerlich angemeckert, und rumgezickt. Äußerlich war ich still. Ich habe kein Wort darüber verloren. Denn eigentlich, habe ich doch gar nicht das Recht dazu. Ich bin doch gar nicht in der Lage, ihn wegen so etwas anzuzicken, und irgendwo verstehe ich es ja auch.
Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube schon, dass er gemerkt hat, dass ich plötzlich extrem still war. Falls er es gemerkt hat, dann war das das erste Mal, dass ich ihn ernst und etwas traurig angesehen habe. Sonst grinse ich ja andauernd, aber da, war ich wirklich ernst.
Neben der Enttäuschung, habe ich mich auch noch zusätlich, über mich selber aufgeregt! Dass ich gerade das Bedürfnis habe, zu weinen, heißt ja, dass ich Gefühle investiere, und dass ich anscheinend ja doch auf dem Weg bin, mich zu verknallen. Und darüber habe ich mich geärgert. Dass ich eventuell Gefühle entwickel, und dass ich traurig und enttäuscht bin, wo ich es gar nicht sein müsste, sollte – dürfte!
Ach, ich weiß auch nicht. Das hat mich natürlich zusätzlich geärgert. Dämliches ich.

Nun, wo er aber wieder weg ist, und ich mich ja doch sehr schnell wieder regeneriert hab, weiß ich, dass ich noch nicht verknallt bin. Sonst wäre es ganz anders.
Wobei ich im Gefühle unterdrücken natürlich ein Ass bin, von daher könnte es auch sein, dass ich mir selber etwas vormache.
Aber andererseits.. ich glaube nicht, dass ich verknallt bin. Heute war wirklich ein richtig schönes Date, und zwischendurch dachte ich mir, „jetzt könnte ich mich verknallen“ und „eine Beziehung mit ihm, ist gar nicht soo abwegig“. Der springende Punkt dabei ist, dass ich dachte, jetzt könnte ich mich verknallen – ich tat es aber nicht.
Wäre auch zu schön. Das würde mir gar nicht in den Plan passen.
Zum einen, solange er noch nicht ausgezogen ist, machen Gefühle überhaupt keinen Sinn, und zum anderen, solange er nicht genug Single- und Kompromissfreie-Zeit hatte, sollte ich da auch nicht zu viel investieren – gefühlstechnisch natürlich nur.
Denn ansonsten läuft es ja ganz gut. Ich bin ihm gegenüber auch relativ offen, rede auch über persönliche Sachen, und über meine Familie. Und das wichtigste, er bringt mich immer noch zum Lachen und Strahlen.
Als ich vorhin so schlechte Laune hatte, hat er es komischerweise auch mehrmals geschafft, mich da rauszureißen, und mir ein Lächeln abzugewinnen.

Nur jetzt ist es fast so, als wäre er gar nicht hier gewesen.
Fünf Stunden war er hier, und alles was mir bleibt, ist sein Geruch in meiner Wohnung. Der einzige Indiz dafür, dass er hier war.

Feige

Ok, ich habe mich nicht verknallt. Das Wochenende war im Endeffekt gar nicht gut.
Also eigentlich war es schon ganz schön, aber zum Ende hin..
Ich fange am Besten von vorne an.
Am Freitag Morgen bin ich zu ihm geflogen. Ich habe erstmal gute 6h gebraucht, bis ich mich wieder an ihn gewöhnt hatte, aber dann war es eigentlich ganz schön. Wir waren zusammen in der Metro einkaufen, und haben es uns dann in seiner Wohnung gemütlich gemacht. Ich habe es wirklich genossen, und fand es schön.
Irgendwann dann im Laufe des nächsten Tages jedoch, kam die Erkenntnis – der Funke springt einfach nicht über und wird es auch nie! Nichtsdestotrotz war es ein ganz angenehmer Tag, nur dass mir von da an mehr und mehr Dinge auffielen, die mich nerven. Kleinigkeiten.
Ich ging auch immer mehr auf Abstand, habe ihn nicht von mir aus plötzlich geküsst, oder berührt.
Nach dem Sex am Abend, hätte ich beinahe losgeheult. Denn für mich war da schon klar, das wird keine Zukunft haben, aber er, er schaut die ganze Zeit noch so verknallt und ist total glücklich, ich hingegen überlege, wie ich es ihm am Besten sage.
Der letzte Tag kam, und ich rang von früh bis spät mit mir. Ich wusste schon genau, was ich sagen sollte, nur nicht wann! Erst dachte ich vor dem Frühstück, dann danach, dann bevor er wieder Pläne für den Urlaub schmiegt, dann bevor seine Freunde kommen, wenn sie gegangen sind, bevor wir zum Flughafen fahren…. Aber ich habe keine dieser Situationen genutzt. Mir war laufend übel, und ich war auch öfter kurz davor etwas zu sagen, aber ich konnte es einfach nicht. Dabei wusste ich doch, ich würde es nur noch schlimmer machen, wenn ich es nicht sage. Vorallem, weil er ja schon in einer Woche zu mir kommen wollte, um dann gemeinsam in den Urlaub aufzubrechen. Und auch, weil wir dann wieder hunderte Kilometer von einander entfernt wären, und ich eben nicht mehr die Möglichkeit hätte, es ihm persönlich zu sagen. Dabei wollte ich es ihm persönlich sagen. Denn das ist die einzige ehrliche und aufrichte Art und Weise. Aber ich habe es nicht geschafft. Ich wollte seinen Schmerz, seine Enttäuschung und seine Trauer nicht sehen. Allein wenn er mich schon so verliebt anschaut, was wird dann passieren, wenn ich ihm plötzlich sage, der Urlaub könnte ins Wasser fallen, denn ich hege keinerlei Gefühle für ihn.
Ich war feige. Ich habe es einfach nicht hingekriegt. Er hat aber auch gar nichts bemerkt, hätte er nicht irgendwas bemerken könn? Hätte er auch nur einmal gefragt, ob irgendwas ist, ich hätte es sofort gesagt. Aber so, an diesem letzten Tag, ich habe es einfach nicht über die Lippen gekriegt.
So saß ich dann also am Flughafen, wartete auf das Boarding, und musste die Tränen schnell wegwischen.
Ich war sauer und enttäuscht von mir. Jetzt fährt er nach Hause, mit einem super Gefühl. Er denkt, es war ein wunderschönes Wochenende, und er muss jetzt nur noch eine Woche arbeiten, bis er mich endlich wiedersieht. Doch er weiß nicht, was in meinem Kopf abgeht. Dass ich ganz anders über unsere Zeit zu zweit denke..
Zu Hause angekommen, habe ich auch noch überlegt, ob ich ihn vielleicht einfach anrufe, um es ihm wenigstens so halbwegs persönlich zu sagen. Aber die Idee fand ich dann irgendwie auch nicht so gut.
Also habe ich ihm spät Abends noch eine Mail geschrieben. Ich wollte es nicht noch weiter hinauszögern, das wäre einfach nicht fair.
Seine Antwort kam am nächsten Morgen, und versetzte mir einen Hieb in die Magengegend. Ich konnte seine Wut, Enttäuschung und Trauer förmlich spüren. Wie er meine Sätze kommentierte, war wirklich schonungslos. Mir war sofort kotzübel und die Tränen stiegen mir in die Augen – nicht das letzte Mal für den Tag.
Zum Glück ging unser Gespräch dann noch über ein paar weitere Mails, denn so ging es mir dann immerhin ein klein wenig besser, als er später wieder normal schrieb. Zwar ist mir immernoch schlecht, aber damit muss ich leben. Das wird sich auch so schnell erstmal nicht legen. Aber mir ist nicht mehr ganz so kotzübel wie heut früh, und ich fühle mich auch ein klein bisschen weniger elend.
Wären die anderen Mails nicht gewesen, hätte ich heute wohl an nichts anderes denken können. Na klar beschäftigt es mich trotzdem die ganze Zeit, aber es wäre ansonsten um einiges schlimmer gewesen.
Eigentlich muss ich auch lernen, aber so richtig konzentrieren mag ich mich nicht. Noch eine Sache, warum die Erkenntnis genau im falschen Moment gekommen ist. Jetzt werde ich mich die ganze Woche mit diesen Gedanken rumkämpfen, dabei muss ich wirklich noch viel lernen. Na ja, ich werde jetzt am besten schaun, dass ich noch was in mein Gedächnis geprügelt kriege.
Später am Abend liegt dann nämlich noch ein Gespräch mit ihm an. Mal sehn wie das wird, und ob ich dann nochmal wie ein Schloßhund losheule…

Erinnerung

Ich sollte nicht mehr in Indieschuppen gehen. Da muss ich immer an M. denken.
So wie gestern. Zum Ende hin sah ich zwei Typen, die genau so wie er getanzt haben. War ja klar, dass ich dann sofort an ihn denken muss. Das ist einfach unumgänglich in solchen Situationen.
Das Ding ist nur, ich hätte nicht gedacht, dass es mich in dem Moment so runterzieht. Ich wurde schlagartig traurig, vermisste ihn oder sehnte mich einfach nur nach diesem einen gemeinsamen Abend den wir hatten.
Ich wollte zumindest nur noch weg. Hätte ich noch länger diese Typen angeschaut, die wie M. tanzten, hätte ich wahrscheinlich angefangen loszuheulen. Vielleicht habe ich ja Glück, und er kommt in seinen Semesterferien mal in die Stadt.. aber wahrscheinlich würden wir uns dann nicht mal treffen. Es würde genau so gut klappen,wie die letzten Male – also gar nicht.
Noch ein Jahr, und dann zieht er hierher. Mal sehen, was dann ist.
Ach, das ist alles so idiotisch. Dämlich. Bescheuert. Zeitverschwendung.
Die ganze Zeit, die ich mit Trauer und Sehnsüchten verbringe, ist reine Zeitverschwendung.

Allein, einsam, verzweifelt, durcheinander, wütend..

Warum mache ich das eigentlich immer wieder?
Jetzt habe ich schon wieder gegen das, was ich mir vorgenommen hatte verstoßen. Na gut, er hat mich ja auch angeschrieben, das ist etwas anderes.
Aber dennoch hätte ich ja deshalb nicht gleich fragen müssen, ob wir am Wochenende etwas zusammen unternehmen… aaaah!
Ich konnte mich ja mal wieder nicht zusammenreißen! Und das hab ich jetzt davon – er ist off gegangen. Naaaa klasse. Das war ja mal wieder super von mir.
Was hat er denn nur für ein Problem? Ein einfaches ja oder nein hätte mir auch gereicht. Ich habe ja sogar extra noch gefragt, ob er es komisch finden würde. Aber na ja, dann verkrümelt er sich halt .. ist ja kein Problem! Nein, überhaupt nicht. Stört mich nicht im geringsten. Bringt mich auch nicht im geringsten durcheinander. Oder verschlechtert meine so schon nicht gerade prickelnde Stimmung.
Ich bin jetzt schon wieder an so einem Punkt angelangt, wo ich echt sauer werden könnte. Am liebsten würde ich den Kontakt mit ihm komplett abbrechen, alles löschen, aber im nachhinein würde ich mich ja doch nur wieder ärgern. Es wäre einfach nur eine nicht überdachte Handlung. Aber dennoch, zu gern würde ich ihm schreiben „ein ja/nein hätte auch gereicht“ oder „tschuldigung,dass ich gefragt hab“, irgendetwas das zum Ausdruckt bringt, dass ich verletzt bin und auch etwas enttäuscht und sauer..
Aber auch das sollte ich lieber nicht tun. Denn ich habe einfach das Gefühl, dass ich kein Recht dazu habe. Ich weiß, dass das seltsam klingt. Aber es ist doch so, dass wir uns kaum kennen – und darf ich dann wirklich schon so „zickig“ rüberkommen, sauer auf ihn sein, ihn von der Seite anmachen, ihn anmeckern ??
Wahrscheinlich würde jeder normale Mensch ja klar sagen, schließlich sind das ganz einfache menschliche Gefühle. Aber ich denke, ich habe einfach Angst ihn zu verlieren, oder besser gesagt, ihn zu verschrecken. Ein Scheiß ist das.
Ich kann und will einfach nicht mehr allein sein. Und nun klammere ich mich an den Gedanken, diesen Kerl haben zu wollen, weil er süß, schüchtern, spontan, frei, klug, interessant, liebevoll und fröhlich erscheint. Aber ich muss wohl damit klar kommen, dass ich mir den Gedanken so langsam abschminken kann. Oh Gott, ich weiß wirklich nicht, ob ich das kommende Wochenende lieben oder hassen soll. Nur noch 3 Tage, dann ist er in der Stadt, und ich habe keine Ahnung, ob wir uns sehen werden, oder ob er mich sehen will. Ich weiß nur, dass ich mit Sicherheit spätestens am Sonntag wieder unter Herzrhythmusstörungen leiden werde, weil mich das ganze Wochenende psychisch fertig machen wird…

Alles auf eine Karte setzen

Ok, ich habe mich gerade überwunden, und ihn einfach gefragt, ob er dieses Wochenende in der Stadt ist – und er ist es natürlich nicht!
Schlagartig ist mir schlecht geworden und in meinem Kopf ging es nur noch drunter und drüber. Meine Gefühle haben verrückt gespielt, und zum ersten Mal seit etwas längerem, sind meine Augen etwas feucht geworden. Dennoch konnte ich nicht wirklich weinen. Leider.
Weinen hat immer auch etwas reinigendes an sich, und ich würde meine ganze Gefühlswelt wirklich gerne mal säubern. Aber aus irgendeinem kann ich zur Zeit einfach nicht heulen! Es ist wohl wieder Zeit, zur Therapeutin zu gehen, die kriegt das aus irgend einem Grund immer recht gut hin, dass mir die Tränen in die Augen schießen.
Wie auch immer.
Ich habe zumindest meinen Mut zusammen genommen – oder vielleicht war es auch einfach nur der Trotz – und habe ihm kurz geschrieben, dass ich es komisch zwischen uns finde, und warum wir eigentlich so viel schreiben..
Das Ding ist einfach, für mich stand fest, wenn er dieses Wochenende nicht herkommt, dann schraube ich erst einmal meine Gefühle komplett zurück und werde auf jeden Fall auch den Kontakt ein wenig im Sand verlaufen lassen.
Na klar, ich könnte jetzt noch einmal einen ganzen Monat lang, fast täglich mti ihm schreiben, bis er dann endlich irgendwann im Oktober hier ist, aber das kann ich einfach nicht.
Jetzt, nach einem Monat, fühle ich ja schon kaum noch etwas. Oder, wie soll ich es ausdrücken… Es ist einfach seltsam. Zum Teil ist da eine Leere, zum anderen aber auch ein Verlangen danach, ihn wieder zu sehen. Eben um heraus zu finden, ob er etwas wäre. Aber einfach nur so, sich übers Schreiben kennenzulernen, ist scheiße. Mit ihm ist es zumindest blöde. Er macht ja nebenbei noch irgendwelche Sachen, und antwortet dann mal nach ner dreiviertel Stunde.. und dann diese doch sehr schüchterne Art zu schreiben.. das ist alles einfach nur quälend für mich.
Ich fühle mich zur Zeit wieder äußerst unattraktiv, und das was ich brauche, ist jemand, der mich liebt. Eine Beziehung. Flirten. Aber irgendetwas mit Bestand.
Und das was ich nicht brauche, sind Selbstzweifel und unnützes Vergeuden meiner Gefühle und meiner Geduld, für jemanden, der vielleicht nur nach einer Freundschaft ausschau hält.
Wie auch immer. Bis jetzt hat er noch nicht auf meine Frage geantwortet. Ich mach mich nun Bettfertig, mal sehen, ob er bis ich im Bett liege noch antwortet…
Und für heute wünsche ich mir, einfach heulen zu können. Einfach nur heulen…..

NACHWORT/EDIT
Das ist doch nicht sein Ernst. ?!
20 Minuten für folgende Worte: „weiß nicht warum“
ok, alles klar. wie gut,dass Männer immer so gut über ihre Gefühle Bescheid wissen… Ich würde am liebsten irgendetwas kaputt machen.
Das kann doch nicht sein?! Was ist das denn bitteschön für eine Antwort?! Was soll ich denn darauf antworten?! „Dann können wir es ja auch lassen“ oder wie?!
Kann mich bitte irgendjemand schlagen, vielleicht hilft das meiner Tränendrüse ja etwas auf die Sprünge.

Kein Vertrauen

Warum?! Warum?!
Warum kann ich ihm nicht vertrauen? Es kotzt mich so an. Ich könnte schon wieder nur heulen. Nicht nur wegen ihm, auch wegen meiner ganzen Situation. Kaum denke ich darüber nach wie beschissen ich mich fühle, wie es wohl weiter gehen wird, was ich von den nächsten Monaten erwarte – schon fange ich an zu weinen.
Ich weiß auch nicht. Alles geht schon wieder den Bach runter.
Eigentlich habe ich nur diesen einen verdammten Wunsch….
Und eigentlich kämpfe ich schon wieder jeden Tag dagegen an, nicht zu kotzen, und nicht wieder reduziert zu essen. Im Laufe des Tages geht es dann erstaunlich gut, dennoch muss ich mich wieder jeden Tag bzw. jeden Stimmungswechsel aufs Neue dafür entscheiden.

Und ich vertraue ihm einfach nicht.
Na klar liegt das auch an meinem nicht-vorhandenen-Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl, aber da musst doch noch mehr sein, oder nicht?
Früher war ich nie so. Ich war nie so eifersüchtig.
Aber da war ich ja auch nie so unzufrieden mit mir.

Verdammt………….

Ich werd‘ mich jetzt einfach ins Bett legen, vielleicht noch ein wenig heulen, aber dann gleichzeitig versuchen, mich auf das Henning Mankell Buch zu konzentrieren….