Gedanken.Los

… der Versuch, das Gefühlschaos zu ordnen

Feige

Ok, ich habe mich nicht verknallt. Das Wochenende war im Endeffekt gar nicht gut.
Also eigentlich war es schon ganz schön, aber zum Ende hin..
Ich fange am Besten von vorne an.
Am Freitag Morgen bin ich zu ihm geflogen. Ich habe erstmal gute 6h gebraucht, bis ich mich wieder an ihn gewöhnt hatte, aber dann war es eigentlich ganz schön. Wir waren zusammen in der Metro einkaufen, und haben es uns dann in seiner Wohnung gemütlich gemacht. Ich habe es wirklich genossen, und fand es schön.
Irgendwann dann im Laufe des nächsten Tages jedoch, kam die Erkenntnis – der Funke springt einfach nicht über und wird es auch nie! Nichtsdestotrotz war es ein ganz angenehmer Tag, nur dass mir von da an mehr und mehr Dinge auffielen, die mich nerven. Kleinigkeiten.
Ich ging auch immer mehr auf Abstand, habe ihn nicht von mir aus plötzlich geküsst, oder berührt.
Nach dem Sex am Abend, hätte ich beinahe losgeheult. Denn für mich war da schon klar, das wird keine Zukunft haben, aber er, er schaut die ganze Zeit noch so verknallt und ist total glücklich, ich hingegen überlege, wie ich es ihm am Besten sage.
Der letzte Tag kam, und ich rang von früh bis spät mit mir. Ich wusste schon genau, was ich sagen sollte, nur nicht wann! Erst dachte ich vor dem Frühstück, dann danach, dann bevor er wieder Pläne für den Urlaub schmiegt, dann bevor seine Freunde kommen, wenn sie gegangen sind, bevor wir zum Flughafen fahren…. Aber ich habe keine dieser Situationen genutzt. Mir war laufend übel, und ich war auch öfter kurz davor etwas zu sagen, aber ich konnte es einfach nicht. Dabei wusste ich doch, ich würde es nur noch schlimmer machen, wenn ich es nicht sage. Vorallem, weil er ja schon in einer Woche zu mir kommen wollte, um dann gemeinsam in den Urlaub aufzubrechen. Und auch, weil wir dann wieder hunderte Kilometer von einander entfernt wären, und ich eben nicht mehr die Möglichkeit hätte, es ihm persönlich zu sagen. Dabei wollte ich es ihm persönlich sagen. Denn das ist die einzige ehrliche und aufrichte Art und Weise. Aber ich habe es nicht geschafft. Ich wollte seinen Schmerz, seine Enttäuschung und seine Trauer nicht sehen. Allein wenn er mich schon so verliebt anschaut, was wird dann passieren, wenn ich ihm plötzlich sage, der Urlaub könnte ins Wasser fallen, denn ich hege keinerlei Gefühle für ihn.
Ich war feige. Ich habe es einfach nicht hingekriegt. Er hat aber auch gar nichts bemerkt, hätte er nicht irgendwas bemerken könn? Hätte er auch nur einmal gefragt, ob irgendwas ist, ich hätte es sofort gesagt. Aber so, an diesem letzten Tag, ich habe es einfach nicht über die Lippen gekriegt.
So saß ich dann also am Flughafen, wartete auf das Boarding, und musste die Tränen schnell wegwischen.
Ich war sauer und enttäuscht von mir. Jetzt fährt er nach Hause, mit einem super Gefühl. Er denkt, es war ein wunderschönes Wochenende, und er muss jetzt nur noch eine Woche arbeiten, bis er mich endlich wiedersieht. Doch er weiß nicht, was in meinem Kopf abgeht. Dass ich ganz anders über unsere Zeit zu zweit denke..
Zu Hause angekommen, habe ich auch noch überlegt, ob ich ihn vielleicht einfach anrufe, um es ihm wenigstens so halbwegs persönlich zu sagen. Aber die Idee fand ich dann irgendwie auch nicht so gut.
Also habe ich ihm spät Abends noch eine Mail geschrieben. Ich wollte es nicht noch weiter hinauszögern, das wäre einfach nicht fair.
Seine Antwort kam am nächsten Morgen, und versetzte mir einen Hieb in die Magengegend. Ich konnte seine Wut, Enttäuschung und Trauer förmlich spüren. Wie er meine Sätze kommentierte, war wirklich schonungslos. Mir war sofort kotzübel und die Tränen stiegen mir in die Augen – nicht das letzte Mal für den Tag.
Zum Glück ging unser Gespräch dann noch über ein paar weitere Mails, denn so ging es mir dann immerhin ein klein wenig besser, als er später wieder normal schrieb. Zwar ist mir immernoch schlecht, aber damit muss ich leben. Das wird sich auch so schnell erstmal nicht legen. Aber mir ist nicht mehr ganz so kotzübel wie heut früh, und ich fühle mich auch ein klein bisschen weniger elend.
Wären die anderen Mails nicht gewesen, hätte ich heute wohl an nichts anderes denken können. Na klar beschäftigt es mich trotzdem die ganze Zeit, aber es wäre ansonsten um einiges schlimmer gewesen.
Eigentlich muss ich auch lernen, aber so richtig konzentrieren mag ich mich nicht. Noch eine Sache, warum die Erkenntnis genau im falschen Moment gekommen ist. Jetzt werde ich mich die ganze Woche mit diesen Gedanken rumkämpfen, dabei muss ich wirklich noch viel lernen. Na ja, ich werde jetzt am besten schaun, dass ich noch was in mein Gedächnis geprügelt kriege.
Später am Abend liegt dann nämlich noch ein Gespräch mit ihm an. Mal sehn wie das wird, und ob ich dann nochmal wie ein Schloßhund losheule…

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1 Kommentar»

  Lotte wrote @

Ich finde es gerade sehr spannend und erstaunlich, wie sich scheinbar die andere Seite anfühlt. Vor gut einem Jahr war ich diejenige, die voller Hoffnung nach einem wunderschönen Wochenende (nicht dem ersten zu zweit) zurück gewiesen wurde. Ich war ganz genau die Person, die ER im Moment in deinem Leben ist. Ich war verliebt bis über beide Ohren, hatte ein wunderschönes Wochenende mit ihm, schöne und zärtliche Stunden zu zweit – und ich merkte nichts. Und fragte daher auch nicht ansatzweise nach ob etwas sein könnte.

Am nächsten Morgen wieder in der Heimat, hatte ich eine Mail von ihm, dass es nichts wird mit uns. Aber eigentlich keine verständlichen Erklärungen. Für mich schien alles total plötzlich und unerwartet und vor allem unverständlich.
Auch meine Antwort fiel, wie die von dem von dir zurück gewiesenen, sehr böse und wütend aus. Ich denke das ist völlig verständlich in der Situation. Man ist verzweifelt und enttäuscht und versucht sich mit Wut zu trösten.
Im Gegensatz zu dir hatte er aber nicht die Courage sich zu melden, sich zu erklären, mir Antworten zu geben. Ich stand völlig im Regen. Was meine Wut nur noch verschärfte und in den nächsten Wochen zu richtigen Hassmails führte…

Ich will damit sagen, dass ich es ganz toll finde, dass du, obwohl du das ganze ja einfach hinter dir lassen könntest, den Mut hast dich zu erklären. Ihn nicht so hilflos da stehen zu lassen. Es tut ihm trotzdem weh, aber es macht es einfacher. Eine Erklärung hilft über so vieles hinweg. Wenn er sich nur einmal der Situation gestellt hätte, ich wäre vielleicht schneller damit zurecht gekommen. Du vermittelst wenigstens das Gefühl, dass er dir nicht egal ist. Es reicht nicht für die große Liebe, aber man muss den anderen deswegen ja nicht gleich wie Dreck behandeln. Bei mir hat dieses Ignorieren dazu geführt, dass ich mich benutzt gefühlt habe. Wenn er doch schon wusste, dass es nichts wird, warum hat er dann noch mal mit mir geschlafen? Und mir all das nicht erklärt? Und mir nicht wenigstens ein klein wenig das Gefühl gegeben, dass ich nicht total wertlos bin.
Ich wünsche dir, dass du einen guten Weg findest ihm ein paar Fragen zu beantworten und damit den Schmerz erträglicher zu machen. Und ich wünsche dir natürlich, dass auch du damit gut zurecht kommst und dich nicht vor Slebstvorwürfen zerfleischst!


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